Von Schonach nach Gütenbach: die Manufaktur seit 1848

Von Schonach nach Gütenbach: die Manufaktur seit 1848

Die meisten Uhrenfirmen, die es im 19. Jahrhundert im Schwarzwald gab, gibt es nicht mehr. Wer sich mit der Region beschäftigt, stößt auf Dutzende Namen, die in Chroniken stehen und sonst nirgends. Dass Anton Schneider dazugehört und trotzdem noch produziert, hat weniger mit Glück zu tun als mit einer Reihe von Entscheidungen, die immer wieder dieselbe Richtung hatten.

1848: eine Werkstatt in Schonach

Anton Schneider gründete seine Werkstatt in Schonach, mitten im mittleren Schwarzwald, keine zwanzig Kilometer von Furtwangen entfernt, wo zwei Jahre später der Wettbewerb ausgeschrieben wurde, aus dem das Bahnhäusle hervorging. Wie es zu dieser Form kam, steht in unserem Beitrag zur Geschichte der Kuckucksuhr.

Gefertigt wurde damals, was heute noch gefertigt wird: Gehäuse aus heimischem Holz, ein mechanisches Werk, ein Ruf aus zwei Holzpfeifen. Der Unterschied liegt in den Maschinen, nicht im Prinzip.

Vom Nebenerwerb zum Betrieb

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Uhrenbau im Schwarzwald Heimarbeit. Ein Hof baute Werke, der nächste Gehäuse, ein dritter bemalte. Wer eine Uhr verkaufen wollte, musste die Arbeit vieler Hände zusammenbringen.

Daran hat sich im Grundsatz weniger geändert, als man denkt. Eine Kuckucksuhr ist bis heute das Ergebnis mehrerer Gewerke, die ineinandergreifen müssen, und die Manufaktur ist der Ort, an dem aus den Teilen eine Uhr wird.

Die Uhrenträger

Historische Darstellung eines Schwarzwälder Uhrenträgers mit Traggestell

Verkauft wurde über Uhrenträger, Händler mit einem Traggestell voller Uhren, die zu Fuß durch Europa zogen, bis nach Skandinavien, Russland und in die Türkei. Sie waren monatelang unterwegs und brachten neben Geld auch Formwünsche zurück.

Dass es Schwarzwälder Uhren mit Motiven für ganz unterschiedliche Märkte gibt, geht auf diese Zeit zurück. Der Export war für das Uhrengewerbe von Anfang an wichtiger als der heimische Markt, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Das 20. Jahrhundert

Zwei Entwicklungen haben die Branche in ihrer Substanz getroffen. Ab den 1970er-Jahren machte die Quarztechnik mechanische Uhren als reine Zeitmesser überflüssig. Wer nur die Uhrzeit wollte, brauchte kein Pendel mehr. Und ab den 1980er-Jahren kamen kuckucksuhrenförmige Produkte aus Fernost auf den Markt, die mit der Schwarzwälder Bauweise nichts zu tun hatten.

Als Antwort darauf gründete sich der Verein die Schwarzwalduhr, der seither ein Echtheitszertifikat für nachweislich im Schwarzwald gefertigte mechanische Uhren vergibt. Die Zahl der Betriebe, die diese Fertigung noch beherrschen, ist seitdem klein geworden.

Der Umzug nach Gütenbach

Seit Januar 2026 fertigen wir in Gütenbach, rund fünfzehn Kilometer von Schonach entfernt, im selben Tal, in dem seit dem 19. Jahrhundert Uhren gebaut werden. Mitgenommen wurden Maschinen, Formen, Werkzeuge und die Menschen, die wissen, wie eine Uhr zusammengeht.

Wir teilen den Standort mit Hanhart 1882, einer Manufaktur für mechanische Chronographen. Beide Häuser stehen vor derselben Aufgabe: eine alte deutsche Uhrenmarke wieder bekannt zu machen und dauerhaft weiterzuführen. Das geht unter einem Dach besser als getrennt.

Was geblieben ist

Das Material: massives Lindenholz für Gehäuse und Dekorteile. Der Antrieb: sinkende Gewichte an Ketten, ein Pendel als Taktgeber. Der Ruf: zwei Holzpfeifen mit Blasebälgen, keine Aufnahme, kein Lautsprecher. Und die Arbeitsteilung in der Werkstatt, die im Kern seit 150 Jahren dieselbe ist.

Geblieben ist auch die Verpflichtung, die daraus folgt: Uhren, die aus unserem Haus stammen, nehmen wir zur Reparatur an, auch wenn sie Jahrzehnte alt sind. Was das kostet und wie es abläuft, steht in Kuckucksuhr reparieren lassen.

Was sich geändert hat

Die Maschinen, mit denen gearbeitet wird, und die Art, wie eine Uhr ihren Weg zum Kunden findet. Der Uhrenträger mit dem Traggestell ist heute ein Paketdienst, und der Katalog ist ein Onlineshop.

Und wir bauen seit einigen Jahren neben den mechanischen auch elektronische Uhren. Sie sind kein Ersatz, sondern eine Antwort auf eine andere Frage: Wer den Klang und das Bild einer Kuckucksuhr will, aber keinen täglichen Handgriff, bekommt bei uns trotzdem eine Uhr aus Gütenbach, von Hand montiert, bemalt und geprüft.

Warum das für einen Käufer zählt

Eine Kuckucksuhr ist eine Anschaffung für Jahrzehnte. Der entscheidende Punkt beim Kauf ist deshalb nicht das Motiv und nicht der Preis, sondern die Frage, ob es den Hersteller in zwanzig Jahren noch gibt, wenn die Uhr Pflege braucht. Wir sind seit 1848 im Schwarzwald und beantworten diese Frage jeden Tag aufs Neue, indem wir Uhren zurückbekommen, die älter sind als ihre Besitzer.

Mehr zu unserer Arbeitsweise steht auf der Seite Handwerk, mehr zur Firmenhistorie unter Geschichte. Unsere aktuellen Modelle finden Sie in der Übersicht aller Kuckucksuhren.